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Versuch eines Textes

Die technische Seite meiner Arbeit lässt sich leicht beschreiben, leichter als der geistige Hintergrund, der mir selber nie in allen seinen Facetten klar ist.
Zur Technik. In meiner Arbeit verwende ich aus­schließlich reine Pigmente, also keine aus mehreren Bestandteilen gepanschten, sondern chemisch reine. Das hat den Vorteil, dass das spezifische Gewicht jedes Körnchens in einem Farbton das gleiche ist, und sich in seiner Sinkgeschwindigkeit und in seiner Austrocknung gleich verhält. Das wird wichtig, wenn man, wie ich, die Farben sehr stark verdünnt. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Farbbrillianz, die durch keine Kalkspate oder Kreiden, (die in Tubenfarben in sehr hohem Anteil –um die 40%- vorhanden sind) vergraut wird. Die chemische Reinheit macht das Pigment in seinem Verhalten (einigermaßen) voraussagbar.
Diese sehr verdünnte Farbe lege ich nun Schicht für Schicht übereinander, wobei ich das chemische Verhalten als Effekt gebrauche. Zum Beispiel flockt Irgazinorang über einer Kadmiumfarbe, die mitteldünn aufgetragen wurde, aus. Irgazinorange ist ein lasierendes Pigment mit verschieden großen Körnchen, die zur Akkumulierung neigen und sich gern an den Hügelchen, die durch die mit Kadmium überzogenen Härchen der Leinwand sammeln. Diese Hügelchen haben eine glatte Außenwand, was durch die regelmäßige Körnchengröße und –dichte hervorgerufen wird, und die Sinkgeschwindigkeit des Irgazins ist relativ hoch, somit sucht sich das Wasser mit den kleinsten gelösten Pigmentteilchen einen Weg zwischen den Hügelchen und es entsteht ein Akkumulationsbild wie bei Sand, über den soeben das Meerwasser hinwegschwappte.
Die neueren Arbeiten haben zwischen 15 und 30 Schichten, wobei man im Idealfall alle durch die letzte hindurch wahrnehmen kann.
Nun zu der geistigen Seite. Es geht mir um Licht, Raum und Farbe. Ich versuche Räume voll verschiedenen Lichtes zu malen. Die Farbe des Lichtes bestimmt das Gefühl, das ich beim Betrachten und Betreten der "Räume" habe. Von ihr geh ich aus. Die Stimmung, die ich sichtbar machen möchte, bestimmt die Farbe, die ich verwende.
Hinter dem Gefühl und dem Licht und der Farbe geht es mir um die Darstellung des Prinzips des Seienden, das heißt, ich versuche Grundstrukturen des Gefühls, Grundstrukturen des Wachsens, manchmal auch ganz konkret Grundstrukturen eines Menschen zu malen (obwohl das dann freilich ein abstraktes Bild ist, nenn ich es dennoch ein Portrait).
Der erst Schritt für meine Arbeit ist somit das Leben in all seiner Fülle. Ich lebe in der Welt, beobachte sie sehr genau, erlebe und durchlebe sie und male dann das Exzerpt des Erlebten, indem ich erst einmal den Farbklang in mir wahrnehme, der im Erleben in mir zu schwingen begonnen hat. Dann lege ich eine grobe formale Richtlinie fest, die das Erlebte einbetten kann, und nun fang ich an zu malen.
Meine Bildtitel sind oft Zitate aus der Literatur, die ja ebenfalls eine Verdichtung der Wirklichkeit leisten kann. Romane, die durch die Erzählung einer Erlebniswelt eine Welt entstehen lassen, die als Beispiel für eine Möglichkeit des Erlebens steht, oder ein Gedicht, das das Exzerpt eines Erlebnisses ist, sind mit meiner Malerei sozusagen verwandt. Wenn ich also lese, finde ich hin und wieder Stellen, Zeilen, Worte, die mir ein Erlebnis erhellend festzuhalten scheinen, die mit ein paar Buchstaben erzählen, was man als ganzen Kosmos beschreiben könnte. Und liegt es da nicht nahe, dass ich solche Worte und mein eigenes Exzerpt, nämlich mein Bild zusammenfüge? Deswegen kann ich nicht sagen, dass ich meinen Bildern Namen gebe, ich suche ihnen vielmehr einen, dieselbe Sache erklärenden Begleiter aus.